Ist ein duales Studium zu empfehlen? Die Vorteile und Nachteile im Überblick


In der Hotellerie sind qualifizierte Führungskräfte gefragt, die neben dem akademischen Abschluss umfangreiche Praxiserfahrungen mitbringen. Das duale Studium hat bei den Unternehmen daher bereits viele Befürworter gefunden. Dieses besondere Studienformat vereint akademische Inhalte mit einem hohen Maß an praktischen Anteilen. Allgemeine Infos und eine Auflistung aller Hochschulen, die ein duales Studium Hotelmanagement anbieten, findest du übrigens in diesem Beitrag. Dort sind auch die verschiedenen duale Studienmodelle genau beschrieben. Nachfolgend widmen wir uns nun der Frage, inwieweit ein duales Studium zu empfehlen ist und was die jeweiligen Vorteile und Nachteile sind.

Zwei Abschlüsse erwerben
In der Hotelbranche bietet sich zum Beispiel das ausbildungsintegrierende Modell an. Hier wird das Format, dem internationalen Kontext entsprechend, oft auch „Double Degree“ genannt. Es beinhaltet eine betriebliche Ausbildung und ein dazu passendes Studium. An der Hotel Akademie Dresden beispielsweise lässt sich der Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaft mit der dreijährigen Ausbildung zum/zur Staatlich geprüften Assistent/in für Hotelmanagement kombinieren. Ein Jahr nach dem Ausbildungsabschluss wird der akademische Titel „Bachelor of Arts“ erworben, in diesem Fall mittels Fernstudium. Andere Bildungseinrichtungen haben das praxisintegrierende Studium im Programm. So ist es an der IUCE Freiburg möglich, International Business Management mit Profil Hotelmanagement dual zu studieren, indem ein dreimonatiger Wechsel zwischen Studium an der Hochschule und Praxis in den Unternehmen erfolgt.

Bezug zur Branche
Ob mit einer kompletten Ausbildung oder Langzeitpraktika kombiniert, das duale Format hat grundsätzlich einen entscheidenden Vorteil: Die frühzeitige Nähe zur Branche. Zwischen den Vorlesungen und Seminaren lernst du die Organisation des Betriebes kennen, von der Rezeption über die Gastronomie bis hin zu den Suiten. Du hast Kontakt mit den Führungskräften und dem Personal des jeweiligen Hauses, gewinnst Einblicke in die anspruchsvolle Branche mit all ihren Besonderheiten wie 24-Stunden-Service und Kundenverkehr. So kann das im Studium erworbene Wissen sofort konkret umgesetzt werden bzw. theoretische Inhalte werden durch die im Betrieb gemachten Erfahrungen verständlicher.



Kontakte knüpfen
Durch die Anwesenheit in Hotels & Co. schon während der Ausbildung ist es obendrein leichter, die künftige Laufbahn zu ebnen. Schließlich kann man sich dabei schon von seinen besten Seiten zeigen, Gespräche mit Personalern führen oder Partnerfirmen (z. B. aus der Gastronomie) von sich überzeugen. Wer dabei zur richtigen Zeit am passenden Ort ist, hat die spätere Festanstellung in der Tasche. Solche Gelegenheiten können sich zwar auch während eines „normalen“ Studiums z. B. durch Praktika ergeben, doch bei einem dualen Studium mit seinen wiederholten und intensiveren Praxisphasen sind die Chancen noch größer.

Stark eingebunden
Die doppelte Ausbildung entwickelt sich jedoch zur Mehrfachbelastung, wenn das duale Studium unterschätzt wird oder nicht zur persönlichen Lebenssituation passt. Zwar werden die Kosten für das duale Studium meist von dem mit der Hochschule kooperierenden Betrieb übernommen oder/und es gibt eine Ausbildungsvergütung. Doch wer z. B. hoch verschuldet und daher noch auf einen zusätzlichen Nebenjob angewiesen ist, dürfte sich schnell überfordert fühlen: Für eine weitere regelmäßige Tätigkeit ist bei einem dualen Studium normalerweise kein Platz. Im Gegenteil ist der Stundenplan oft so angelegt, dass die Praxisphasen in die Semesterferien bzw. vorlesungsfreie Zeit fallen. Der Verzicht auf Freizeit kommt also noch dazu.

Vertraglich verpflichtet
Wenn du dich für einen dualen Studienplatz bewerben möchtest, benötigst du zunächst einen Ausbildungs- bzw. Praktikumsvertrag mit einem Unternehmen. Bereitwillige Betriebe zu finden ist in der Regel relativ einfach, weil viele etablierte Bildungseinrichtungen bereits mit bestimmten Hotels oder anderen Einrichtungen zusammenarbeiten. Durch die teilweise hohe Nachfrage in diesem Bereich muss man sich allerdings dennoch ins Zeug legen. Dabei ist eines zu bedenken: Ein Ausbildungsvertrag bedeutet immer auch eine besondere Form der Bindung. Es ist also grundsätzlich schwieriger, das duale Studium abzubrechen als bei nicht-dualen Studiengängen, zumindest kann es dazu führen, dass die bislang vom Betrieb getragenen Ausbildungsgebühren erstattet werden müssen. Davon abgesehen, sollte das Ziel natürlich ohnehin sein, den Abschluss zu erreichen und nicht leichtfertig alles hinzuschmeißen. Nur kann es immer eine Änderung der Lebensumstände geben ‒ ein Fall, den jeder frühzeitig bedenken sollte, vor allem wenn man noch unsicher bezüglich der Berufswahl ist.

Sich kritisch hinterfragen
Gerade im Bereich Hotellerie ist das attraktive Studium sicherlich ein attraktives Format, zumal es bereits nach vergleichsweise kurzer Ausbildungszeit für verantwortungsvolle Positionen qualifizieren kann. Wenn du also überzeugt davon bist, dass deine Zukunft im Hotelmanagement liegt, wenn du bereit bis, dafür den höchstmöglichen Einsatz zu bringen, dürften die Vorteile eher überwiegen. Sollten jedoch die Herausforderungen zu groß erscheinen oder erschwerende persönliche Umstände hinzu kommen, gilt es sehr genau abzuwägen. Das bedeutet nicht, dass man dem dualen Studium gleich eine Absage erteilen muss, wenn die Nachteile stark ins Gewicht fallen. Doch es ist wichtig, alle Facetten zu sehen und sich ggf. frühzeitig Unterstützung zu sichern, damit alle Anforderungen gut bewältigt werden können.